... von Werner Heine

Es gab einmal einen Sektorchef, der seine Soldaten wie folgt auf ihre Einsatzbereitschaft überprüfen wollte.

Eine Kompanie Fallschirmjäger hatte dazu den Auftrag die Einsatzstellung auf dem Stöberhai einzunehmen. Der Fernmeldesektor C wurde in Alarmbereitschaft versetzt und harrte aufgerödelt der Dinge, die da kommen sollten. Zwei Kraftomnibusse transportierten zu allem entschlossene Soldaten im Kampfanzug mit G3, 20 Schuss Übungsmunition und ABC-Schutzmaske in Richtung Stöberhai. Bereits hinter dem Damm der Odertalsperre stand ein olivfarbener Unimog quer auf der Straße zum Turm und versperrte die Zufahrt. Zwei Soldaten lagen hervorragend mit Ochsenblut geschminkt daneben und stöhnten gekonnt. Unser Adrenalinspiegel erreichte ungeahnte Höhen und wir verließen in ungewohntem Tempo die Busse. Einige rannten in den Wald, andere verteilten sich auf dem Gelände. Ich lief um den Bus herum, um mich dort in trügerische Sicherheit zu wiegen. Mein G3 war teilgeladen und gesichert. Die Bedrohung spitzte sich immer weiter zu bis mir plötzlich ein Fallschirmjäger gegenüberstand, der eine Pistole P1 in der Hand hielt. Mit grimmiger Miene verdeutlichte er mir mein Schicksal. „Jetzt bist Du gleich tot“, entfuhr es ihm und sein Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Es war, als ob ich auf mich herabsah und hörte mich sagen: „Jetzt bist Du tot“. Das Entsichern meiner Waffe war eins, der Sicherungshebel sprang durch meinen Finger auf Dauerfeuer und erbarmungslos prasselten zwanzig Schuss Übungsmunition auf den Fallschirmjäger. Das bewirkte zweierlei. Das G3 war durch den Feuerstoß versifft, was sich erst später herausstellte. Der Fallschirmjäger aber hatte den mörderischen Feuerstoß unbeeindruckt weggesteckt und ging auf mich zu. In Panik lief ich um den Bus, stieg hinten ein und rief zum Busfahrer, „Alfons, mach zu.“ Jedoch war Alfons mit der Verteidigung des vorderen Buseinstiegs beschäftigt, indem er Eindringlingen den Einstieg mit vorgehaltener Brechstange verwehrte. Der Fallschirmjäger stand mir nun mit seiner P1 gegenüber und für Sekunden musterten wir uns mit stahlharten Blicken. Völlig unerwartet stand auf einmal mein Kamerad M. neben uns. Unerschrocken schubste er meinen Kontrahenten in den Bus. Ich befand mich nun in einer Art Kampfmodus und stürzte mich diesem Widersacher entgegen. „Rühr Dich nicht, sonst mach ich Dich kalt“, rauh erklangen diese Worte aus meiner Kehle, die mich heute noch erschrecken, weil meine Hand zu meinem Kampfmesser zuckte. Ich hätte es aber nie benutzt, dessen bin ich mir heute noch sicher. Langsam erfasste ich die Lage um mich herum. Ein Kampf war entbrannt. Mann gegen Mann. Ein entsetzter Leutnant lief herum und schrie: „Neutralisieren, neutralisieren.“ Unsere Gegner jedoch reagierten nicht darauf und drängten ihn weg. Mein Kamerad H. (Spitzname Bud Spencer) hatte einen Fallschirmjäger im Schwitzkasten und der gröhlte mit erstickter Stimme: „DM 12, DM 12“. Sekunden vergingen bis sein Kamerad einen Gegenstand unter den Bus schmiss. Ein fürchterlicher Knall demoralisierte einerseits zwei Kameraden, die darauf hin wegen Knallschadens in den San-Bereich mussten, andererseits trat ein hünenhafter Hauptmann in Erscheinung, der wohl der Kompaniechef der Fallschirmjäger war. Mit dem trockenen Kommentar „Nun aber Schluss mit lustig“ brachte er seine Soldaten in hab acht Stellung und entspannte die Lage, so dass wir die Fahrt im Bus zur Einsatzstellung entspannt fortsetzen konnten. Die Ruhe jedoch war trügerisch. Die Kampfstände (Tarnname Lido) rund um die Einsatzstellung waren in der Nacht zu besetzen. Ich saß im Kampfstand und kämpfte mit dem Schlaf. Das Rascheln vor dem Doppelzaun ließ mich schlagartig hellwach werden. Wir fanden Klinkersteine (?) und jeder von uns drei Kampfstandinsassen nahm sich zwei dieser Backsteingeschosse. Auf Kommando flogen diese Granaten aus Ton über den Zaun und lösten unerwartete Geräusche aus. Menschliches Fluchen, Geraschel und Geklapper (konnte von verrutschten Stahlhelmen stammen) verstummte nach einiger Zeit und verhalf uns zu einem ruhigen Verlauf der restlichen Nacht. Tags darauf eskalierte die Situation erneut. Ich befand mich mit einem Kameraden hinter unserem Bereitschaftsgebäude. Die vierbeinige Gefahr ereilte meinen Kameraden, in der Form, dass er plötzlich auf dem Boden lag, weil ihn ein Wachhund zu Fall gebracht hatte und auf ihm saß. Beide erstarrten wir in der Bewegung, bis plötzlich eine Stimme den Hund zurückrief. Mein Begleiter war nun völlig konsterniert und sprachlos, bis ein heftiger Knall am Eingangstor zur Einsatzstellung unsere Bewegungslosigkeit beendete. Ein Unimog war in das Tor gefahren und hatte es beschädigt. Ein heftiges Sperrfeuer mit unzähligen Patronen Übungsmunition feuerten wir dem Feind entgegen. Unbeeindruckt erreichten die Fallschirmjäger das Wachlokal und nahmen die Stellung ein. Dabei explodierte eine Übungshandgranate DM 12 im Wachlokal und deprimierte einen Wachhund derart, dass er nicht mehr eingesetzt werden konnte.


 

Rutschpartie mit Hindernissen

Also, auch ich kam eines Tages nach der Nachtschicht auf die Idee, die Rutsche ab der 8. Etage zu benutzen. Ich hatte mir schon vorher eine Pappe, die Matten waren zu langsam, besorgt. Legte also die Pappe in die Rutsche und mich wie ein Schlittenfahrer mit dem Kopf nach vorn darauf. Das Problem setzte ab der 6.Etage ein und nahm seinen Lauf. Plötzlich rutschte ich nur noch auf meiner schönen Luftwaffenuniform den Rest der Rutsche bis ans bittere Ende hinab. Das Gelächter und Gefrotzel klinkt mir noch heute in den Ohren. In der Kaserne angekommen, ging ich zum Spieß und meldete mich zum Erhalt eines Bekleidungstausch-Scheines. Unser Spieß Hfw Dierks lachte erstmal, denn die Uniform war vorn nicht mehr blau, sondern grau!! Tauschschein erhalten und den Spott der Kameraden auch!!


 

Alarm mit Konsequenzen

Auch bin ich mit meiner Sirene unangenehm aufgefallen. Eines Morgens, kurz vor der Abfahrt des Busses zur Tagschicht, stellte ich mich unten ins Treppenhaus, dort wo die Kameraden der folgenden Nachtschicht noch schliefen und gab mein bestes!! Dann aber haste was kannste zum Bus, puh nicht erwischt worden!! Kurz vor Ende unserer Schicht, kam Horst Schunk, um mir mitzuteilen, dass die Kameraden, die ich ja so fröhlich geweckt hatte, auf Rache ausharren!! Ich sollte also rechtzeitig die Kurve kratzen und mich im Schlaf- und Essensblock verstecken. Gesagt getan, der Bus kam an und die Kameraden stürmten den Turm, die 10.Etage, die Räume, aber Werner war nicht da. Der saß im ersten Bus, Richtung Osterode, puh, wieder Glück gehabt. Aber wie das so ist, die Rache holte mich bei einem Selbstschutzlehrgang dann doch noch ein. Ich wurde nach der Feuerlöschübung festgehalten ( 3 Mann ) und geduscht!! Ha ha, fand ich, von oben bis unten und bis auf die Haut nass, gar nicht witzig!! 

Als ich 1984 eine vierwöchige Reserveübung hatte, Einsatz auch im Turm, durfte ich die Sirene vor einem Unterricht im Flur des Sektorgebäudes noch einmal anstimmen!!


 

Hfw Gorny und sein Handycap

Am Anfang meiner Turmzeit war Hfw Gorny noch Schichtleiter. Kamerad Uffmann und ich kamen auf die Idee, da Hfw Gorny nicht sehr groß war, seinen Holzstuhl ( war zu der Zeit noch so ) an den hinteren Beinen etwas zu verlängern ( leichte Schräglage nach vorn ). Gesagt getan. Als Hfw Gorny zum Dienst erschien, war unser Werk vollbracht. Wir beide ( Uffi und ich ) machten uns dünne, in die kleine Kantine im Turm. Als Hfw Gorny mehrmals auf seinem Stuhl ins Rutschen kam, sah er die Bescherung!

Also, den oder die Schuldigen ausfindig machen. Da außer uns, alle anwesend waren, war ihm klar, wer die Stuhlverlängerer sein könnten. Laut rufend und suchend rannte er durch alle Räume. Da wir nicht da waren, Anruf in der Kantine. Uffmann und Heine sofort in die Einsatzetage ! Wir also in den Fahrstuhl und nach oben. An der Fahrstuhltür in unserer Etage wurden wir schon erwartet. Strafe: Runde Kaffe und die nächste Totenwache von 2 bis 4 Uhr !! Aber Spaß hatten wir alle trotzdem. Schade, dass wir das Gesicht von Hfw Gorny bei seiner Rutscherei nicht gesehen hatten!!!!! 


 

Werner Heine war von 1973 – 1978  auf dem Stöberhai.

Bin nach meiner Grundi in Budel (04.71 -06.71) nach Osnabrück ( 06/71-10/71 ).Ab 10/71-02/72 in Göttingen, ZBV in der Fahrbereitschaft. Dann auf dem Stöberhai. Mein erster Einsatz in der WG 1 war 1973 bei Hfw.Gorny, Horst Schunck und Gerd Porath usw.!! War dann auf verschiedenen Lehrgängen und habe 1974 einen Monat ( 03/74-04/74 )wegen Umbaumassnahmen in unserem Turm,  im Sektor E, Wunsiedel ( Schneeberg ) ,mit anderen Kameraden unseren Auftrag durchgeführt.