ESCADRON - ELECTRONIQUE-SOL 36/351

Wappen Escadron 

Angefangen hatte die Geschichte der französischen Einheit – so der geläufigste Name – in Bad Lauterberg im Januar 1967, als das damalige Détachement Nr. 6 mit 8 Soldaten in den Harz kam, um auf dem Stöberhai ein französisches Frühwarnsystem einzurichten. Dort hatte der Fernmeldesektor C just seinen großen Turm gebaut, der den Stöberhai weithin sichtbar machte. 

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Nachdem Frankreich aus der militärischen Organisation der NATO ausgetreten war, errichtete es auf der Grundlage einer bilateralen Vereinbarung mit Deutschland an gleicher Stelle daher seinen eigenen Horchposten. So entstanden direkt neben dem großen deutschen Turm zunächst zwei, dann vier kleinere Antennen-Türme. Beide Anlagen und Mitarbeiter der jeweiligen Nation taten dieselbe Arbeit völlig voneinander getrennt.

Die ersten 8 Franzosen des Groupement Electronique 35/351 in Metz bildeten 1967 die Vorhut für die in den folgenden Jahren laufende personelle Auffüllung, die nach drei Monaten begann. 1971 betrug die Stärke der Einheit 36 Soldaten, die unter dem Kommando von Hauptmann Dortomb standen. Eine der ersten Aufgaben der Vorhut bestand in der elektronischer Installation der Stellung sowie der Einrichtung der Unterkunft in den zwei Chalets am Dietrichstal in Bad Lauterberg. Später war es nötig, dauerhafte Wohnungen für die Soldaten und ihre Familien zu finden sowie eine Schule zu gründen. Nachdem die zwei Chalets zu klein geworden waren, wurden für die Soldaten zwei große Blocks in der DETA-Straße angemietet. Mehrere von ihnen wohnten auch noch privat in der Stadt und umliegenden Ortschaften. Die Unverheirateten und Wehrpflichtigen waren in der Kaserne untergebracht. Die dem Hauptmann Dortomb , der 4 Jahre lang Chef des Détachements war , folgenden Kommandeure des Escadron wechselten regelmäßig und im Durchschnitt alle zwei bis drei Jahre. So folgte im März 1971 dem Hauptmann Dortomb Oberleutnant Pessan, der wiederum durch Hauptmann Germain im Jahr 1974 abgelöst wurde. Danach waren alle Leiter der Einheit im Rang eines Hauptmanns. Die Chefs Jecequel (1976 bis 1979), Henninot (bis September 1981), Gouilheus (bis September 1983), Chevallier (bis 1985) und Guychabaud (bis April 1988) lösten sich regelmäßig ab. Baudouin de Baillencourt war der letzte Chef zu Zeiten der deutschen Teilung. Pascal Weber übernahm im September 1988 die Leitung – zwei Monate vor der Wende. In seine Zeit fiel die Wiedervereinigung Deutschlands, die letztlich den französischen Horchposten überflüssig machte. Im September 1991 kam René Le Moigne als letzter Chef der Escadron Electronique Sol nach Bad Lauterberg. Gewechselt hat in den 25 Jahren ihres Bestehens auch mehrfach der Name der Einheit als der Name seiner Muttereinheit wechselte. Bei der Gründung war sie das Détachement No. 6 der GE 35/351 in Metz. Doch schon 1971 wurde daraus das Détachement Electronique 36/351. Die Nummer blieb 1979, als die Bezeichnung in Escadron Electronique Sol geändert wurde. Und zum 01.01.1988, als die Franzosen in Metz das Bombengeschwader 54 gründeten, änderte sich auch die numerische Zuordnung: 06/054 hieß die Escadron Electronique zuletzt. Bei der letzten Änderung hatte der damalige Chef Guychabaud bereits wieder versetzt sein sollen. Doch er verlängerte vom normalen Übergangstermin im September 1987 auf April 1988, um dann in Pension gehen zu können.

75 Franzosen, darunter 7 Frauen, versahen bei der Auflösung noch in Bad Lauterberg ihren Dienst, doch es waren sogar schon einmal 99. Für 40 französische Familien mit etwa 30 Kindern bedeutete die Kneippstadt die zeitweilige Heimat.

Ab dem 31.08.1992 existiert die Einheit nicht mehr.  Ihre Angehörigen wurden auf andere Einheiten verteilt. Leutnant Bernard Müller, der in die Nähe von Paris versetzt wurde, sah das Ende mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Einerseits sei er gerne in Bad Lauterberg gewesen, andererseits freue er sich, dass der Dienst in Deutschland nicht mehr nötig sei: „Zum Glück ist das so zu Ende gegangen“, sagte er und meint: „ohne Krieg“. Das gibt ihm eine gewisse Befriedigung: „Wir gehen mit dem Gefühl, unsere Arbeit geleistet zu haben“.