... von Volker Wille

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Knoten und (Brust)-Bunde


Es war.... ich glaube im Jahr 1978, das war noch zu Zeiten der sogenannten Tacevals, eine besonders harte Zeit für die Soldaten des Fernmeldesektor C. Es wurden bei diesen Tacevals alle Tätigkeiten der Soldaten, sowohl der Fachdienst im Turm, als auch die militärischen Disziplinen geprüft und gerade bei diesen militärischen Übungen wurde uns viel abverlangt. Zu dieser Zeit war ich ABC/SE-Truppführer in unserer Einsatzwache und hatte die Wacht über plötzlich aufkommende Brände, Explosionen und deren Folgen in den Liegenschaften in unserer Einsatzstellung. Gerade zwei Jahre vorher war ich in Sonthofen im schönen Bayern und hatte anlässlich eines ABC/SE-Truppführer-Lehrgangs Knoten und Bunde kennengelernt. Neben den Knoten, die Segler beherrschen müssen, gab es auch den sogenannten Brustbund. Er wurde dort einige Male vorgeführt, mittels eines Seiles, das damals noch als Fangleine bezeichnet wurde. Nun, es waren fast zwei Jahre vergangen und ich hatte den Brustbund in die ziemlich hinterste Ecke meines Gehirns verbannt, als es plötzlich nach Ertönen der Alarmsirene hieß: „ABC/SE-Trupp, Alarm im Bereitschaftsgebäude im 1. Stock ist ein Soldat schwer verletzt und muss gerettet werden. Also wurde ziemlich hektisch der Raum im 1. Stockwerk aufgesucht und nach dem „verletzten“ Kameraden gesucht. Dieser lag laut schreiend (schauspielerische Meisterleistung)auf dem Boden, neben ihm hielt sich das Taceval-Team auf und mein Andrenalinspiegel stieg ins Unermessliche. Was also tun??? Nachdem die “Wunden“ versorgt waren, bemerkte ein hoher Offizier des Heeres, ich glaube es war sogar ein General, der Soldat wäre nun transportfähig und sollte nun mit Hilfe eines Brustbundes nach draußen abgeseilt werden, weil das Treppenhaus nicht mehr begehbar sei. Da war er nun wieder, der Brustbund, ich wusste zwar noch, wie er fertig aussah, aber die Anfertigung ging mir nicht mehr von der Hand. Auf die Mithilfe meines Trupps konnte ich auch nicht rechnen, auch die kannten dieses Seilkunst-Gebilde nicht. Nachdem ich einige Minuten versucht hatte mit der Fangleine etwas Brauchbares herzustellen und dabei Sturzbäche schwitzte, malte ich mir aus wie der Kamerad mit dieser Rettungshilfe unverletzt den Boden erreichen sollte. Da rettete mich der erfahrene Heeresoffizier und strickte vor unseren Augen einen Brustbund gemäß der Heeresdienstvorschrift in unglaublich kurzer Zeit und gab mir den väterlichen Rat, diesen doch in der nächsten Zeit mal wieder etwas zu üben. So hatte ich den Brustbund danach wirklich gelernt und war froh, dass ich den Kamerad nicht mit “meinem Brustbund“ abseilen sollte. Ob ich den Brustbund heute noch kann, vermag ich nicht zu sagen.

 

 

Alarm, Alarm

In der Zeit so zwischen 1976 und 1978 fiel mir aus der Zeit eines strengen Sektorchefs im Fernmeldesektor C eine Begebenheit wieder ein. Dieser Chef pflegte in dieser Zeit sehr häufige Alarmübungen anzusetzen und ebenfalls gab es da noch die so genannten Tacevals. (Überprüfungen) Das führte bei einer Schicht zur psychischen Verunsicherung eines bestimmten LDE´s, der aufgrund angeblicher Sichtungen von Offizieren in Luftwaffenuniformen (Prüfer?) in Bad Lauterberg seine Einsatzwache auch am Wochenende in erhöhte Alarmbereitschaft versetzte. Es wurde steif und fest behauptet, diese Offiziere dort mit einer bekannten Boulevardzeitung in der Hand gesehen zu haben. Die Ausübung des Dienstes erfolgte dann am Arbeitsplatz in Moleskin mit ABC-Schutzausrüstung am Mann. Manche schlaflose Nacht hing einem da in den Knochen.

 

Rösselsprung

Wenn man als Schichtdienstler einmal Tagesdienst machte, konnte man ein Problem bekommen. Der Name Detlef Eichhorn erinnert mich an den "Rösselsprung". Der passierte dann, wenn der Schichtdienstler Tagesdienst verrichtete und dieser sich nicht in die morgendliche Liste eingetragen hatte, die wiederum die Mitfahrer des Tagesdienstbusses am Nachmittag präsentierte. Es kam vor, dass der Bus bis auf den letzten Platz belegt war. Hatte der arme Mensch (ich!!!) sich nun nicht in die Liste eingetragen, setzte das Verfahren Rösselsprung ein. Das bestand darin, dass der Dienstgradhöchste des Busses alle wieder aussteigen ließ und nun aufgrund dieser verdammten  :-(  Liste alle glücklichen, :-) die dort zu lesen waren und benannt wurden, wieder einsteigen durften. Der am Schluss noch draußen war, (ich!!!!) :-( durfte dann eine Stunde später mit der Schicht runterfahren.


Die schönste Toilette im Harz oder „Sie können ruhig weitermachen“ (:-)) …aber nicht zulange (:-))

Im Turm der Einsatzstellung auf dem Stöberhai gab es, was vielleicht nicht alle wissen, eine Toilette mit einer wunderbaren Aussicht.
Diese Toilette in der achten Etage wurde auch hin- und wieder von unserem unvergessenen Herrn Rohrmann beehrt, der unser guter Geist für alle Reinigungsarbeiten war.
Jeder, der ihn kennt, weiß, dass er in lupenreinem wiedischen Dialekt sprach und natürlich den Südharz wie seine Westentasche kannte.

Diese Toilette wurde besonders in den frühen Morgenstunden von den Herrschaften aus der achten, neunten und zehnten Etage frequentiert, vor allem, wenn die Fernsicht gut war.
Dieses Örtchen war einzigartig. Und zwar betraf diese Einmaligkeit die fantastische Aussicht. Man konnte nämlich, wenn man auf dem Thron der Erleichterung saß, bei guter Fernsicht den damals noch so unerreichbaren Brocken sehr gut sehen.
Wer sich dann beim “Turmspieß“ ein gutes Fernglas auslieh, konnte damit manches interessante Detail auf dem höchsten Harzberg erspähen.
Bei solch einer guten Fernsichtwetterlage bot diese Toilette einen kurzweiligen Aufenthalt.

Auch Herrn Rohrmann war diese Tatsache bekannt, hielt er doch gerne ein Schwätzchen mit einem beliebigen Menschen, der ihm gerade über den Weg lief.
Die Toilette bot den weiteren Vorteil, dass der Gesprächspartner, wenn er denn einmal auf der Toilette saß und sein Geschäft verrichtete, nicht einfach weggehen konnte.
Herr Rohrmann betrat also den Vorraum der Toilette, wenn der Örtchenbenutzer in der Kabine verschwunden war.
Dann erschall ein fröhliches „Schüten Morschen“ und es folgte ein Dialog, der meistens ein Monolog war.
So konnte Herr Rohrmann den Einsitzer über die neuesten Geschehnisse im Südharzer Raum informieren, ohne dass dieser die Flucht ergreifen konnte.

Wenn das Gespräch Herrn Rohrmann gefiel und der Anwesende seine Ausführungen wenigstens mal mit „Ähh…gut“ oder „ja …wirklich?“ erwiderte, dann packte Herr Rohrmann mit größtem Genuss ein von seiner Frau liebevoll zubereitetes Frühstücksbrot aus und verzehrte dieses, ohne sich von den zeitweiligen Gasen des Toilettenbenutzers beeindrucken zu lassen.

Dann fiel der Satz, mit dem die Geschichte begann,…“Sie können ruhig weitermachen“
ermunterte er den Toilettengast.

Einmal jedoch gab es ein Vorkommnis, das Herr Rohrmann in eine ungeahnte Erregung versetzte. Da hatte doch die Nachtschicht die wunderbare Toilette in einem Zustand hinterlassen, der eine morgendliche Nutzung nicht zuließ.
Die Toilette war verstopft und wer war da mehr prädestiniert als Herr Rohrmann, den ordnungsgemäßen Zustand der Toilette wiederherzustellen.
Er verschwand nun mit allerlei Werkzeug bewaffnet auf der Toilette und werkelte still vor sich hin. Die Stille wurde jäh zerrissen als Herr Rohrmann die Tür nach außen öffnete und in höchster Erregung zu unserem Einsatzoffizier eilte.

Die Tür ging auf - der Einsatzoffizier blickte mit großen Augen an, was sich da vor ihm aufbaute:

Herr Rohrmann sah nicht mehr so aus wie sonst, er hatte den Ärmel seiner Arbeitsjacke hochgekrempelt, der rechte Arm war nun nackt und seine Hand wies Spuren jener Bestandteile auf, die nur in das Innere eines Toilettenabflussrohres gehören konnten.

In lupenreiner, wiedischer Mundart schrie er:
Also Herr Köhler, se sehn ja…ech worr mitten Ellenbogen bis ins Knie von `nen Rohr
un was glooben Se, was da drinne war…. Een Mormelodenglas….

Er hielt das Glas mit seinem dunkelbraunen Inhalt Herrn Köhler unter die Nase.

So erfüllte das Örtchen wieder seinen Zweck und es ging das Gerücht um:
Immer wenn jemand morgens auf dieser Toilette saß, sollte Herr Rohrmann im Auftrag
des Einsatzoffiziers ein Schwätzchen beginnen, um die Verweilzeit auf der Toilette zu verkürzen.



Volker Wille war seit 1974 im Sektor C in der 11.Etage als Beobachtungsfunker. Später, 1985 als Zivilist dann im 8. OG bis zum Ende

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